Türme auf der 7ten Reihe – 1

Türme auf der 7ten Reihe – 1

Beispiele aus bekannten Großmeisterpartien

Aaron Nimzowitsch (1886-1935) gilt gemeinhin
als Begründer der modernen Positionslehre im Schach.

In seinem Buch “Mein System” formuliert Nimzowitsch
verschiedene strategische Konzepte. Darunter die Prophylaxe, Überverteidigung und auch die Blockade, Konzepte die heute zum aktuellen Trainings-Kanon im Schach gehören.

Wie wichtig halboffene und offene Linien sind (sie herbeizuführen, um ihre Beherrschung zu kämpfen, auf Ihnen in die Gegnerische Stellung einzudringen
und sie zu nutzen, um Druck auf schwache gegnerische Bauern zu machen) wird an anderer Stelle erläutert.

Genauso wichtig ist jedoch auch der Druck den ein Turm auf der siebten oder auch achten Reihe ausübt. Dieser Druck kann gesteigert werden
durch die Verdoppelung der Türme auf der siebenten bzw. zweiten Reihe [1].

Im Folgenden wird immer von der siebenten Reihe gesprochen. Das gesagte gilt natürlich auch für die zweite Reihe aus Sicht von Schwarz.

Warum ist die siebte Reihe so interessant
für unsere Türme?

Nach Jakow Damskij gibt es keine üppigere Weide für unsere Türme, als die vorletzte Reihe im gegnerischen Lager. Gewöhnlich befinden sich dort, selbst wenn es dem Endspiel entgegengeht Bauern die noch nicht die Ausgangsstellung verlassen haben, ebenso findet man dort ab und an fianchettierte Läufer.

Weiter wird diese Reihe häufig für den Angriff auf den gegnerischen König genutzt, vergleichbar mit einer Rechts-Links-Knock-Out Kombination im  Boxen.[2]

Schauen wir uns nebenstehendes Beispiel einmal an (ein Klick in die Partiedokumentation öffnet ein Popup-Fenster in dem die Züge eingesehen werden können!):

Anhand dieser beiden Beispiele aus der Großmeisterpraxis kann man schon sehen, dass Schwerfiguren, die es schaffen auf die 7te Reihe zu gelangen, ein erhebliches Potenzial in sich tragen, die gegnerische Stellung zu zerlegen!

Man könnte sogar einen ungenannten Vereinskollegen zitieren:

Ein Turm auf der 7ten Reihe ist der Anfang vom Ende (N.N.)

Die Macht des Turms auf der 7ten Reihe

Die Macht eines Turms auf der 7ten Reihe veranschaulicht schon folgendes Diagramm recht deutlich:

Es ist offensichtlich, dass der schwarze König abgeschnitten auf der Grundreihe steht und diese nicht verlassen kann. Weiter kann der Turm auf der siebten Reihe nicht von einem Bauern angegriffen werden. Das verringert die Zahl der möglichen Angreifer deutlich.

Das Fazit:

  • Ein eigener Turm auf der siebten Reihe lähmt den Gegner deutlich. Dies führt zu taktischen und positionellen Möglichkeiten.
  • Die 7te Reihe wird häufig für den Angriff auf den gegnerischen König genutzt.
  • Gewöhnlich befinden sich auf der vorletzten Reihe saftige Ziele, die ein Turm fressen kann, selbst wenn es dem Endspiel entgegengeht. 

Mehr dazu beim nächsten mal

Euer

Achim

Quellen:

1(Silman, 2012, S. 139ff)
2 (Damskij, 1989, S. 22ff.)

Damskij, J. (1989). Schwerfiguren greifen ein.
Silman, J. (2012). Schach mit neuem Schwung: Besser spielen durch das Verstehen von Ungleichgewichten.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hallo Achim,
    Unser Training von gestern zu Turmendspielen war sehr lehrreich.
    Tolle Vorbereitung von dir!
    Zum nächsten Training werde ich C-Trainer Material zu Turmendspielen kompremiert mitbringen.

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